CATWALK IN DEN BÜNDNER BERGEN

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Neue Sonderausstellung “Mode und Brauch”

Die Einnähetiketten unserer Kleidungsstücke verraten auf einen Blick: Mode und Textilien sind heute ein globales Geschäft. Hemden aus Marokko, T-Shirts aus Bangladesch, Hosen aus China oder Schuhe aus Vietnam gehören zu unserem Alltag. Aber: Mode aus Poschiavo? Textilien aus einem Bündner Bergtal? Das Museo poschiavino zeigt in der neuen Sonderausstellung “Mode und Brauch – vom lokalen Tuch bis zum globalen Outfit” ab Mitte Juni wie sich lokale Gewohnheiten und internationale Einflüsse vermischten und heute noch beeinflussen. Die letzten Vorbereitungen für die Sonderschau sind im Gang.

Die bäuerliche Kultur der Vergangenheit prägte in der Valposchiavo lange Zeit auch die Kleidungsgewohnheiten und die für die Textilien benötigten Ausgangsmaterialien. Man verwendete einfach zu beschaffende Stoffe aus Leinen, Hanf und anderen Naturfasern. Vieles wurde selber hergestellt, Webstühle waren weit verbreitet. Was defekt war, wurde geflickt und lange getragen. Keine Spur vom Wegwerfmentalität…

Einflüsse aus Süden und aus Norden

Trotzdem: In einer Talschaft, die an der Grenze zu Italien liegt, begegneten sich schon bald auch im Bereich der Mode Einflüsse aus dem Süden und dem Norden. Vermögendere Kreise der Bevölkerung leisteten sich den einen oder anderen Luxus um standesgemäss gekleidet zu erscheinen. Und als manche der einst aus Mangel an Beschäftigung ausgewanderten Puschlaver in der Fremde zu Wohlstand kamen und wieder in ihre alte Heimat zurück kehrten, brachten sie neue Gewohnheiten mit nach Hause – auch im Bereich der Mode. Sogar die spätere Industrialisierung machte vor der Valposchiavo nicht Halt: Bis um die Jahrtausendwende gab’s im Puschlav Produktionsstätten, auch für internationale Labels.

Heute sind Globalisierung und Onlinehandel natürlich auch in der Valposchiavo prägend. An die Vergangenheit erinnern noch übrig gebliebene Kleidungsstücke aus vergangenen Tagen, wovon sich einige gut erhaltene Stücke im Besitz des Museums befinden, oder die lokale Handweberei, welche diese Handwerkstradition weiterführt und auch neu interpretiert.

Umfangreiches Material zusammengetragen

Das Museo poschiavino hat sich diesen Themen angenommen und dazu die neue Sonderausstellung “Mode und Brauch” gestaltet. Auf rund 180 Quadratmetern im historischen Palazzo de Bassus-Mengotti in Poschiavo wird die Entwicklung nachgezeichnet. Ein engagiertes Team unter Leitung des Historikers und Museumsgestalters Daniele Papacella begab sich auf die Spuren des noch vorhandenen historischen Materials, hat Dokumente gesichtet und interessante Objekte zusammengetragen: “Unser Ziel ist, den Besucherinnen und Besuchern unserer Sonderausstellung ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie sich historische Traditionen auch im Bereich der Mode und der Bekleidung entwickelt haben und uns auch heute noch beeinflussen”. Die Ausstellung richtet sich damit einerseits an die lokale Bevölkerung: Ältere Besucher werden Vergangenes wiederentdecken können, jüngere werden mit Zusammenhängen vertraut gemacht, die schon fast in Vergessenheit geraten sind. Andererseits hat die Ausstellung aber auch eine generelle Aussagekraft: Somit dürften sich auch Gäste und Modeinteressierte von auswärts dafür interessieren.

Alltagstauglichkeit, Eleganz und wohl auch eine Prise Eitelkeit prägen den Kleidungsstil nicht erst seit heute: Der “Catwalk” fand und findet nicht nur an internationalen Modeschauen statt – sondern auch ein Bisschen in den Strassen in der Valposchiavo…

Derzeit laufen die letzten Vorbereitungen für die Ausstellung. Daniele Papacella kann dabei insbesondere auch auf die Mitarbeit der Agentur CREarti aus Sondrio, auf Museumskuratorin Santina Bolandrini sowie auf weitere bewährte Mitwirkende zählen.

Die Sonderausstellung “Mode und Brauch – vom lokalen Tuch bis zum globalen Outfit” wird am Samstag, 16. Juni 2018 offiziell eröffnet. Das Museo poschiavino ist ab 17. Juni bis am 21. Oktober offen. Die Sonderausstellung “Mode und Brauch” wird auch 2019 noch zu sehen sein. Die Ausstellung wurde dank der grosszügigen Unterstützung verschiedener Sponsoren ermöglicht, darunter der Kanton Graubünden, die Gemeinden Poschiavo und Brusio, die Stiftung Stavros S. Niarchos, die Willi Muntwyler-Stiftung, die Stiftung Jacques Bischofberger, Repower und die Graubündner Kantonalbank.

Die “Bärenhöhle” bleibt

Die letzte Sonderausstellung 2016/2017 war dem viel diskutierten Wiederauftauchen des Braunbärs in der Valposchiavo und in der Schweiz gewidmet. Im Mittelpunkt stand dabei der präparierte Bär “M 13”. Die Informationen aus dieser letzten Sonderschau wurden in den letzten Monaten gestrafft und neu arrangiert. Damit bleiben der Bär und seine “Höhle” künftig feste Bestandteile des Museo poschiavino, ergänzt durch entsprechendes Informationsmaterial.

Im Museo poschiavino – bestehend aus dem Palazzo de Bassus-Mengotti und dem historischen Bauernhaus Casa Tomé – werden zudem umfassende Informationen zur Kultur und Geschichte der Valposchiavo präsentiert. Darüber hinaus sind wertvolle Sammlungen über Indische und Etruskische Kunst, welche der Gemeinde geschenkt wurden, zu sehen. Das Museum organisiert zudem – teils in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen – interaktive Veranstaltungen für die lokale Bevölkerung, Gäste, Schulklassen und andere Gruppen.

Öffnungszeiten 2018: 17. Juni bis 21. Oktober, jeweils Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonntag von 14 bis 17.30 Uhr.

 

 

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